Die Zwei Rechner stehen sich gegenüber und erhalten die Daten voneinander

Linux-Installation auf einen neuen Rechner umziehen

Die Zwei Rechner stehen sich gegenüber und erhalten die Daten voneinanderDieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie man eine Linux-Installation recht einfach von einem Rechner zum anderen transferieren kann. So ist es möglich, trotz neuer Hardware mit all den liebgewonnenen Programmen und deren Einstellungen weiterarbeiten.Vor kurzem leistete ich mir endlich mal wieder einen neuen Rechner, der nun  flüsterleise ist. Da ich aber nicht ein komplett neues System aufsetzen wollte (das reicht eigentlich immer bei einem LTS-Release, die bei meiner Distribution Kubuntu alle zwei Jahre erscheinen), habe ich mich dazu entschlossen, die Daten und das System des alten Rechners zu übernehmen. Dies sollte trotz neuer Hardware möglichst sauber ablaufen, so dass ich mich gegen ein komplettes Kopieren der Systempartition entschieden habe.

Da ich mir die Informationen von verschiedenen Stellen zusammensuchen musste, möchte ich sie nun an dieser Stelle festhalten, damit sie Linuxern mit ähnlichen Ambitionen helfen möge. Wenn ihr weitere Hinweise habt, oder auf Probleme trefft, könnt ihr mir gerne einen Kommentar hinterlassen. Gerne auch, wenn es für euch mit dieser Anleitung  geklappt hat.

Ziel

Folgende Situation soll nach dem Transfer entstehen:

  • gleiches Betriebssystem wie auf dem vorherigen Rechner
  • Zugriff auf verschlüsselte Home-Partition
  • die gleichen Programme wie auf dem alten System
  • Einstellungen der Programme ebenso behalten (z.B. die Anzahl der Wiedergaben in Amarok, geöffnete Tabs in Opera)
  • Desktop sieht genau so aus (Widget-Anordnung, Systemleisten, …)

Ich habe das mit einem Kubuntu 11.10 gemacht, aber die Anleitung könnte dennoch auch für Ubuntu-Nutzer oder andere Linux-Geschmacksrichtungen hilfreich sein.

Ausgangssituation

Der alten Rechner hat zwei internen und zwei externe (USB) Festplatten, der neuere kommt mit einer etwas größeren. Außerdem ist auf dem alten Rechner Kubuntu 11.10 installiert. Die verschlüsselte /home-Partition liegt auf der anderen Festplatte. Somit konnte ich die Festplatte mir den eigenen Dateien und Programmeinstellungen in das neue System übernehmen, die USB-Festplatten  (mit Musik- und Fotosammlung sowie gegenseitigen Backups) müssen nur  umgesteckt werden und funktionieren dank der Partitionsbenennung  sofort. Lediglich die Systempartition möchte ich neu aufsetzen.

Als Installationsmedium benutze ich einen USB-Stick mit dem aktuellen Image von Kubuntu, den man auch gut als Livesystem nutzen kann (und das werden wir später auch tun). Wie ihr diesen erstellt, findet ihr sehr ausführlich im Artikel zu Live-USB auf Ubuntuusers. Kurzversion: Die Iso herunterladen und mit dem Programm Starmedienersteller auf den USB-Stick verfrachten.

Datenübertragung vom alten zum neuen Rechner

Die Zwei Rechner stehen sich gegenüber und erhalten die Daten voneinander
So sieht es aus, während die Daten überspielt werden. Das scharze SATA-Kabel der neuen Festplatte ragt vom neuen Rechner (rechts) in den alten.

Für die Datenübertragung habe ich die neue Festplatte an den alten Rechner angeschlossen. Man muss sich dabei nicht allzu viele Umstände machen. Es reicht aus, das SATA-Kabel der neuen Festplatte an den entsprechenden Anschluss des alten Motherboards anzuschließen (dabei sollte – wie bei allen Ver- und Entkabelungen der Strom abgeschaltet sein). Die Festplatte selbst kann im neuen Rechner verbleiben und auch ihren Strom davon beziehen. Macht man nun beide Rechner an, so kann man vom alten Rechner auf die neue Platte zugreifen.

Wir müssen nun zuerst eine neue Partitionierung auf der Festplatte anlegen. Bei mir war eine Testversion von Windows 7 vorinstalliert, die ich bei der Gelegenheit gleich gelöscht habe. mit Hilfe des KDE-Partitionsmanagers (Ubuntu-Nutzer  können auch GParted benutzen) habe ich die neue Festplatte aufgeteilt.

Zeigt die Daten der neuen Festplatte im Partitionsmanager
Ein Screenshot des Partitionsmanagers mit den "fertigen" Partitionen der neuen Festplatte. Eine Bootpartition (wurde später noch auf ext4 umgestellt) sowie eine Erweiterte Partition bestehen aus dem SWAP-Speicher (dort kommen Daten hin, wenn der RAM voll ist, 8 GiB), der Root Partition (das Betriebssystem kommt dann hier hin, ext4, 60 GiB), und noch zwei weitere Partitionen für Daten (ebenso ext4 und restlicher Speicher).

Dabei bin ich sowohl für den Swap-Speicher (der kommt auf die neue Festplatte, weil die die schnellste ist) als auch für die Systempartition recht großzügig gewesen. Es können auch kleinere Partitionen gewählt werden. Schön ist es auch, wenn dann Partitionen gleich Namen erhalten, dann lassen sie sich einfach benutzen. Nun nicht vergessen, die Änderungen anzuwenden.

Kleines direktes Backup (optional)

Ich nutzte die neuen Partitionen gleich mal zur Übertragung und Sicherung von Daten von der Festplatte, die im alten System verbleiben wird. Dazu habe ich die Festplatte eingehängt und mir dann über die Konsole Schreibrechte zugeordnet.

$ cd /media/partitionsname
 $ sudo chown . benutzername

Das Kopieren der Daten erfolgt nun einfach mit eurem Lieblingsdateimanager. Ich benutze ganz gerne ldie Warteschlange des Zwei-Fenster Dateimanagers Krusader (Dateien auswählen und mit F5 und dann F2 kopieren). Noch einmal: Eine Sicherung der Systempartition ist nicht nötig. Ihr könnt dies aber gerne tun. Ich habe mir beispielsweise den Ordner /usr/local/games gesichert, da einige Spiel des Humble Indie Bundle sich dahin installiert hatten.

Programmliste merken

Während nun die Daten kopiert werden, sichern wir uns eine Liste der aktuell installierten Programme und Pakete sowie der aktuellen Paketquellen und legen diese auf dem Desktop ab. Dazu folgende Befehle in der Konsole ausführen:

$ dpkg --get-selections | awk '!/deinstall|purge|hold/ {print $1}' > ~/Desktop/packages.list
$ find /etc/apt/sources.list* -type f -name '*.list' -exec bash -c 'echo -e "\n## $1 ";grep -v -e ^# -e ^$ ${1}' _ {} \; > ~/Desktop/sources.list.sav

Wem dieses Vorgehen schon zu theoretisch ist, der kann dies auch mit dem Paketmanager erledigen (ich habe das allerdings nicht probiert, nur vorhin die entsprechende Option gefunden). Beim KDE-eigenen Muon findet sich die Option unter Datei -> Eine Liste aller installierten Pakete speichern … und die Wiederherstellung später über Datei -> Pakete mit Hilfe einer Liste herunterladen … .

Betriebssystem installieren

Zeigt das Bootmenü auf dem neuen Rechner
Im Bootmenü erkennt man alle angeschlossenen Festplatten und den USB-Stick. Letzteren muss man dann für die Installation auswählen.

Nun habe ich Festplatte mit der Home-Partition in den neuen Rechner eingebaut und dessen vorhandene Festplatte auch wieder an dessen Motherboard angeschlossen. Wenn der USB-Stick mit Live-System angesteckt wurde kann man nun anschalten und vom Stick booten. Eventuell muss man dazu (meist mit F2) das Boot-Menü aufrufen. Ein entsprechender Hinweis steht aber beim Starten des Rechners da.

 Neuen Rechner Testen (optional)

Bildschrimfoto des Memtests
So sieht der Test des Arbeitsspeichers aus (zum Vergrößern anklicken). Erst wenn die Porzentangabe rechts oben einmal bei 100% gewesen ist, ist der Test durchgelaufen.

Wer möchte kann den RAM des neuen Rechners testen. Dazu muss im nun erscheinenden Menü memtest ausgewählt werden. Da ich schon schlechte Erfahrungen gemacht habe, habe ich meinen Arbeitsspeicher testen lassen. Die 8 GiB beanspruchten allerdings auch eine ganze Stunde. Immerhin ging alles gut.

Installation

Das Live-System kann man über den oberen Menüpunkt starten. Ist es fertig gebootet, sollte man idealerweise eine Internetverbindung herstellen (so werden zum Beispiel gleich die aktuellen Sprachdateien heruntergeladen) und kann dann das System installieren. Ich will nicht auf alle Einzelheiten eingehen (dazu gibt es viele gute Artikel bei Ubuntuusers), nur ein paar spezielle Hinweise geben:

  • Die Partitionierung müsst ihr manuell durchführen
  • Für die Root Partition (die heißt „/„) die vorbereitete auf der neuen Festplatte wählen, ebenso für SWAP
  • Als Home muss die alte Home-Partition gewählt werden. Hier darf aber keinesfalls das Partitionieren-Häkchen gesetzt werden!
  • Nutzername und Kennwort müsst ihr ebenso wählen, wie auf dem alten System
  • Der Hinweis, dass die Installation von Root auf der Festplatte eventuell vorhanden Daten überschreibt spielt keine Rolle, da die neue Root-Partition ja leer ist.

Nach der erfolgreichen Installation neu Starten und den USB-Stick abziehen.

Einrichten des neuen Rechners

Nun, da das System erfolgreich installiert ist, könnt ihr die Bootreihenfolge auf dem System nach euren Wünschen einrichten. Wichtig ist, dass ihr von der neuen Root-Festplatte bootet.

Nach dem hochfahren des Systems und dem Login sollten euch die Desktopeinstellungen schon einmal bekannt vorkommen. Was folgt sind einige grundsätzliche Sachen. Internetverbindung herstellen und eventuell zusätzliche Treiber wie diejenigen für die Grafikkarte über die Verwaltung zusätzlicher Treiber installieren.

Nun werden wir alle vorher installierten Programme installieren. Dazu müssen wir erst die entsprechenden Paketquellen einrichten. Ich habe das von Hand gemacht, indem ich mir die Datei sources.list.sav vom Desktop geöffnet habe und  mit den Packetquellen von Muon  verglichen habe Ihr könnt dazu natürlich die euch liebste  Paketverwaltung nutzen.

Auf der Konsole kann man nun die Liste der auf dem alten vorhanden Programme einlesen und alle auf einen Rutsch installieren:

$ xargs -a "~/Desktop/packages.list" sudo apt-get install
# und noch einmal sicherstellen, dass alle Pakete auf dem neuesten Stand sind
$ sudo apt-get update

Sollte der erste Befehl Probleme bereiten, so liegt dies wahrscheinlich an Paketen, die aus gänzlich anderer Quelle installiert wurden. Dies war bei mir bei dem Paket plasmoid-eventlist der Fall. Da ich das Paket nicht benötige, habe ich es aus der Liste herausgestrichen und den Befehl erneut durchgeführt. Es könnte zum Beispiel auch bei gekaufter Software und Spielen auftreten. Dann müsst ihr diese später von Hand installieren.

Die Installation dauert nun je nach Internetverbindung und Anzahl vorher installiertet Pakete eine ganze Weile. Im Anschluss sollte unser System allerdings so aussehen und sich so verhalten, wie das „alte“. Mal davon abgesehen, dass es auf neuer Hardware läuft.

Als Installationsmedium benutze ich einen USB-Stick mit dem aktuellen Image von Kubuntu, den man auch gut als

3 Gedanken zu „Linux-Installation auf einen neuen Rechner umziehen“

    1. Hallo Sandro,
      danke für das Anleitung. Hat bei der Umstellung bis auf die GPG-Signatur alles funktioniert!

Hinterlasse einen Kommentar zu Sandro Liebscher Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

To create code blocks or other preformatted text, indent by four spaces:

    This will be displayed in a monospaced font. The first four 
    spaces will be stripped off, but all other whitespace
    will be preserved.
    
    Markdown is turned off in code blocks:
     [This is not a link](http://example.com)

To create not a block, but an inline code span, use backticks:

Here is some inline `code`.

For more help see http://daringfireball.net/projects/markdown/syntax

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>